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Gymfestival in Kristiansand/NorwegenVom 24. - 30. Juni 20022. Tag (Dienstag, 25. Juni 2002) Troll Mountain Camp in Evje (Norwegen) Dienstag morgen um Acht Uhr und eine quicklebendige Stimme weckt uns. Claudia hat die erste Nacht im Tipi-Zelt von Troll Mountain wegen der Kälte schlaflos verbracht und ist bereits seit drei Stunden unterwegs. Hellwach von der frühmorgendlichen Wanderung, ist sie der Meinung, dass auch wir das Frühstück nicht verpassen sollten! Sie ist nicht die Einzige, der die feuchtkalte Nacht auf dem Holzrost zugesetzt hat, aber schliesslich gehört das zu unseren Adventure-Ferien. Glücklich können sich diejenigen nennen, die beim Packen wohlweislich genügend Träger-Shirts gegen Fleece-Pullover eingetauscht haben. Für alle wird klar, dass nach dem Schwitzen am Eidgenössischen Turnfest nun kühlere Temperaturen angesagt sind. Obwohl der anfänglich blaue Himmel sich bedeckt hat, springen wir voller Erwartung aus unseren Schlafsäcken und geniessen erstmals ein norwegisches Frokost: mit weichem Toastbrot und caramelisiertem Geissenkäse. Und natürlich können wir auch unsere Käse-Sandwiches, die uns während dem Rest der Woche begleiten würden, für den Lunch vorbereiten.
Nachher ist River-Rafting im Otra-Fluss angesagt. Perfekt ausgerüstet, werden wir auf drei Boote aufgeteilt und unsere (Duty- / Beauty-) Guides geben die ersten Instruktionen. Endlich auf dem Wasser, lernen wir richtig auf die Kommandos „Hard forward“, „Highside left“, „Backward“ oder „Down!” zu reagieren – die Synchronität beim Paddeln ist natürlich kein Kunststück für uns! Runo, der Guide auf unserem „Kamikaze-Boot“, fragt nach dem ersten Angewöhnen mit einem Lächeln auf den Stockzähnen, ob er mit uns vielleicht sogar ein Flip-Test machen sollte?! Voller Enthusiasmus nicken wir alle und bevor wir uns versehen, hat er das Boot auch bereits zum Kippen gebracht! Dass das Wasser kalt sein muss, ist allen klar, aber wer hat es sich so eisig vorgestellt?! ... unter dem Boot raustauchen, auf die richtige Seite schwimmen, das Ganze wieder drehen und einander an Bord ziehen, ist eine Frage von Sekunden. Anschliessend gibt’s auch für die Insassen der anderen Boote den Schwimm-Test; dabei geht es darum, sich in der richtigen Position treiben lassen zu lernen und sich ans kalte Wasser zu gewöhnen. Und natürlich darf auch der Schlachtruf, mit dem nicht nur Flussgeister beschwört (!) werden, nicht fehlen.
Dann geht’s also los, über die kleineren und grösseren Stromschnellen. Je nach Wunsch der Boot-Insassen „surfen“ wir jeweils ziemlich lang in den Strudeln, was den Adrenalin-Pegel der meisten doch ziemlich ansteigen lässt. Nicht nur Präsident Thöme fällt hochkant von Bord, sondern auch andere schnappen früher oder später in den unberechenbaren Fluten nach Luft! Nachdem wir erstmals bei unserem Camp angekommen sind, gehen wir begeistert nochmals flussaufwärts und lassen die Guides beim zweiten Mal die noch schwierigeren Routen wählen. Schlussendlich sind wir uns einig, dass das Raften ein super Erlebnis war und wenn’s nach mir ginge, hätten wir die ganze Woche bleiben können ;-) Ziemlich erschöpft und durchgefroren geniessen wir nachher die warme Dusche und schauen uns den WM-Halbfinal an (den die Deutschen, weder zur Freude der schweizerischen noch der norwegischen ZuschauerInnen, gewinnen).
Und dann gilt’s auch für uns ernst: das erste Training ist angesagt. Da wir hier in den norwegischen Wäldern weder die Barren noch die Bodenmatten zur Verfügung haben, konzentrieren wir uns auf den Rock’n Roll, den Tanz und die Partnerteile. Schliesslich sollen die „Flieger“ unserer Herkunft alle Ehre machen und das „Engeli“ auch so richtig engelmässig aussehen. Zur Erholung setzen wir uns ins grosse Tipi ums Feuer und jassen, bevor die nächste Aktivität angesagt ist: fischen! Ausgerüstet mit drei neuen Angelruten, gehen wir runter an den Fluss. Der Guide instruiert uns, glaubt aber ganz offensichtlich nicht an einen möglichen Erfolg. Alle wollen es probieren und immer wieder muss die Leine (oder wie heisst das Ding schon wieder) entwirrt werden! Währendem die einen schon bald aufgeben und dazu übergehen, die Verbliebenen mit einem Glas Rotwein anzuspornen, kämpfen Claude, Domi und Simone unermüdlich weiter. Schliesslich soll Domi eine vegetarische Alternative zu den Spaghetti Bolognese auf den Teller bekommen. Als alle anderen bereits resigniert haben, gelingt unserem Chef-Fischer Claude tatsächlich der grosse Coup: er fängt zwei „riesige“ Fische. Mit Hilfe des erstaunten Scott, nimmt er die Dinger auch aus und bratet sie. Wir gehen mit ihm einig, das ist „the best Fish ever“! Einer der Indianer-Namen, die wir im Verlauf der Woche alle erhalten, ergibt sich von selbst: Clöde ist eindeutig „der mit dem Fisch tanzt“!
Nach dem Nachtessen machen es sich die einen im Haus, die andern im Zelt gemütlich. Wir geniessen den Wein, von dem wir wegen den horrenden Alkoholpreisen in Skandinavien alle eine Flasche aus der Schweiz mitgebracht haben und den wir am nächsten Tag keinesfalls nach Kristiansand schleppen wollen. Reto, lädiert durch den Sturz aus dem Raft-Boot, kommt bereits in den Genuss einer Massage von Jacky – es sollte nicht die letzte Verletzten-Behandlung in dieser Woche bleiben! Auch der Indianer-Tanz ums Feuer darf nicht fehlen und schliesslich versuchen wir uns sogar im Singen. Ein französischer Chanson aus David’s Ghetto-Bluster hat es uns besonders angetan und wird gleich zur Wochen-Hymne erkoren. Passend zu unserer Ferienstimmung hört man fortan immer wieder jemanden vor sich hinträllern: „Je ne veux pas travailler ...“
Müde genug legen wir uns dann aufs harte, kalte Nachtlager und träumen von den vielen Bibern vom Vortag, dem Kampf mit den Stromschnellen, den Stürzen in die eisigen Fluten und den riesigen Fischen an der Angel.
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